Edwardianische Häuser bieten für Innenarchitekten und Architekten gleichermassenspannende Chancen und Herausforderungen.
In der Regel sind diese Gebäude solide gebaut, verfügen jedoch meist nur über flacheFundamente. Das kann zu Problemen führen, insbesondere bei Erweiterungen. In Gegendenwie Hampstead, wo der Boden hauptsächlich aus Lehm besteht, können fehlende tiefeFundamente dazu führen, dass sich Böden senken und Risse in den Wänden entstehen.Solche Herausforderungen lassen sich jedoch lösen. Bei meinem eigenenedwardianischenHaus haben wir durch den Einbau eines Kellers die Fundamente verstärkt und zusätzlichLichtschächte auf beiden Seiten des Hauses eingefügt, um den neuen Raum mit Tageslichtzu fluten.
Ein grosses Vergnügen bei der Arbeit mit Edwardianischen Häusern ist die Vielzahlarchitektonischer Details, die sich erhalten oder stilvoll restaurieren lassen. Durch denzunehmenden Einsatz elektrischer Beleuchtung konnten die Edwardianer im Vergleich zuihren viktorianischen Vorgängern aufwendigere Zierleisten und Deckenrosetten gestalten.In meinem Haus habe ich Stuckelemente an den Wänden und eine Deckenrosettewiederhergestellt, wie sie ursprünglich vorhanden gewesen wären, und ausserdem einenKamin imedwardianischen Stil rekonstruiert.

Edwardianische Häuser sind meist grosszügig geschnitten und damit gut geeignet fürmodernes Wohnen, insbesondere Eingangsbereiche und Wohnzimmer. Die Küche befindetsich in der Regel im Erdgeschoss und nicht im Keller, wodurch die Anschlüsse für Wasserund Abwasser bereits auf der richtigen Höhe liegen. Allerdings sind diese Küchen häufigkleiner als heutige Wohnküchen, was ofteine Umgestaltung des Grundrisses nötig macht.Unsere Küche war ein schmaler Gang, der vom Eingangsbereich abzweigte. Wir entschiedenuns für einen Glas-Anbau an der Rückseite mit einer Stahlkonstruktion zur Entfernungtragender Wände und für maximale Flexibilität. Bodentiefe Schiebetüren führen nun direktin den Garten. So entstand eine moderne offene Küche mit Essbereich und Gartenzugang.
Edwardianische Eingangstüren sind oft mit attraktiven Buntglasfenstern versehen. DieseTüren aus den frühen 1900er Jahren sind jedoch meist weniger sicher. Wir haben dieOriginaltür durch eine neue Tür im alten Design ersetzt. Das alte Glas wurde ausgebaut undvon einem italienischen Glaskünstler restauriert. Die neuen Scheiben wurden in denRahmen eingesetzt und mit Sicherheitsglas auf der Innenseite ergänzt–so konnten wirSicherheit und Energieeffizienz verbessern, ohne den Charme des Originals zu verlieren.
Ein weiteres typisches Detail sind die Treppen–häufig verborgen unter vielenFarbschichten. Wir haben unsere Treppe vollständig abgeschliffen, um die schöneHolzmaserung wieder freizulegen, und anschliessend mit Kalk behandelt, um sie zuschützen und ihre Struktur hervorzuheben.
Unter altem Putz fanden wir ein kunstvolles, geschwungenes Treppengeländer mit Säulen.Am oberen Treppenabsatz installierten wir einen dramatischen Glaslüster, der demTreppenverlauf vom Dachgeschoss bis in den Keller folgt und dieses ursprünglicheGestaltungselement stilvoll betont–ganz im Sinne deredwardianischen Tradition,Besucher zubeeindrucken.
Oft gab es auch gemusterte Fliesenböden im Eingangsbereich. Bei uns waren sie leiderentfernt worden. Nach umfangreicher Recherche zu originalen Mustern und Farben entwarfich ein neues Fliesendesign mit grauen und weißen Mosaikfliesen in Trompe-l’œil-Optik,eine zeitgenössische Interpretation des traditionellen Stils.
Manche edwardianischen Häuser wurden im Laufe der Zeit in kleinere Einheiten unterteilt.Unser Haus hatte bei Einzug keine Zentralheizung–nur münzbetriebene Stromzähler. Wirliessen daher die gesamte Elektro-, Heizungs-und Sanitärtechnik erneuern. Das war dieGelegenheit, moderne Annehmlichkeiten zu integrieren: Fussbodenheizung,Wassersprudler, zentrale Staubsaugeranlage und automatische Rollos. Ausserdemverbesserten wir die Energieeffizienz durch neue, doppelt verglaste Holzsprossenfenster,die in Design und Ausführung den Denkmalschutzauflagen entsprachen.
Bei grösseren Umbaumassnahmen ist zu beachten, dass je nach Lage (z. B. in einemgeschützten Bereich) bestimmte Änderungen eingeschränkt sein können. Während bei denFenstern genaue Vorgaben einzuhalten waren, sind Änderungen auf der Rückseite desHauses meist weniger problematisch.
